Abschlussbericht Strich-Code

Abschlussbericht Strich-Code (tabellarisch):

23.10.2012

Besucher:
2000 + öffentlicher Raum + Straßenbahn
(geschätzte Aufmerksamkeit von rund 20 000 Menschen)

Presse:
Zeitung: Über 30 Zeitungsberichte (überregional), davon zwei Titelseiten
(HAZ, Neue Presse), z.B.: Stern, Welt…
Fernsehen: Fernsehberichte (RTL, ZDF, SAT1, Arte, NDR / Hallo Niedersachsen…)
Radio: Radioberichte (NDR, Radio 21, …)
Internet: zahlreiche Internetberichte

Veranstaltungen:
500 Besucher bei der Eröffnung
50 Besucher bei der Poetry-Lesung
150 Besucher beim Kinoabend
200 Besucher bei der Bibel-Lesung
120 Besucher bei den Kunstführungen
50 Schwarmkünstler

Diskussionen:
über 200 persönliche Diskussionen

Veröffentlichungen:
1 Katalog, 5 Postkartenmotive, 3 Flyer

Spenden:
Verein Phönix hat Zuwendungen erhalten

Kontakte:
Ehemaliger Chef der AOK (Verein Phönix)

Fazit: Das Projekt Strich-Code ist auf vorwiegend positive Resonanz bis hin zur Euphorie gestoßen. Der spielerische Einstieg in ein schwieriges Thema hat sich als glücklich erwiesen, da sich viele Menschen dadurch sehr konkret mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Wir haben es geschafft, das Thema Prostitution
auch mal von einer anderen Seite als in der Presse üblich zu zeigen, ohne es zu trivialisieren.
Die Besucher von Strich-Code lassen sich in drei Gruppen einteilen: die erste Gruppe war die Gruppe der Kunst-Interessierten; die zweite Gruppe waren die, für die der soziale Aspekt im Vordergrund stand; die dritte Gruppe bestand aus den Voyeuren.
Betrachtet man die Pressearbeit, so ist festzuhalten, dass die Schwarmkunst von den Medien meistens positiv und auch in großem Ausmaß beleuchtet wurde. Auch der soziale Aspekt fand einen großen Nachhall in den Medien. Die Künstler und die Kunst kamen im Gegensatz zu den beiden ersten Punkten jedoch in der Presse eindeutig zu kurz, was aber bei den Kunstführungen nicht beobachtet werden konnte. Hier wurde
die Kunst sehr hervorgehoben, da die Führungen auch zum Teil von den Künstlern geleitet wurden, und stieß bei den Besuchern auf großes Interesse.
Die Konfrontation verschiedener Gesellschaftsschichten ist glücklich verlaufen, denn jeder ist einen Schritt auf den anderen zugegangen. Das Bild von der Eröffnungsfeier, bei der ein Museumsdirektor zusammen mit einem Bordellbesitzer eine Ausstellung eröffnet, ist exemplarisch für die Schwarmkunstaktion Strich-Code. Aber ohne die bis zu 50 Schwarmkünstler, die geholfen haben, im Schulterschluss solch ein Großprojekt
zu stemmen, wäre der Funke: „Wir sind alle gleich“ nicht bis in die Öffentlichkeit geschwappt, so dass eine nachhaltige Wirkung zu erhoffen ist.
Atelier Dreieck


					

Adieu Strich-Code

Das Entfernen der Etiketten aus der Stadt lief wirklich wie am
Schnürchen! Eine Woche hatten wir uns Zeit genommen, um Hannover 
wieder zu "entfärben". Dank der Folie, auf die die Etiketten geklebt 
worden waren, ging es wirklich zügig voran. Wider Erwarten kamen sogar 
schon früh am Morgen einige Schwarmkünstler, um mitzuhelfen. Nachmit-
tags waren es dann sogar richtig viele Schwärmer, die es sich nicht 
nehmen lassen wollten, die schöne bunte Stadt wieder in eine triste 
graue Stadt zu verwandeln. Na ja, ganz so weit wollen wir nun doch  
nicht gehen! Es liegt ja auch an den Menschen, ob eine Stadt bunt ist 
oder nicht; und wir hoffen, dass die fröhlichen Farben von Strich-Code 
so manchem ein bleibendes Lächeln ins Gesicht gezaubert und für viele
weitere kreative Ideen bei den Menschen gesorgt haben! 

Ein hartes Stück Arbeit war aber am Ende das Etikettenentfernen von 
der Straßenbahn. "Das ist die Hölle!" war der übereinstimmende 
Kommentar der Schwarmkünstler, die zum Glück wieder unglaublich 
zahlreich erschienen waren. Nicht auszudenken, wenn keiner zum Helfen 
gekommen wäre. Dann hätten wir wirklich ein großes Problem gehabt.

Und so endete Strich-Code, wie es in der Vorbereitungsphase mit den
Mühen des Fundraising, dem Schock über die Absage eines potentiellen
Sponsors, den Überstunden für neue Anträge usw. angefangen hat, 
nämlich äußerst kräftezehrend! Allen Helfern wünschen wir gute 
Erholung von diesem letzten Kraftakt!

Jetzt ist es Zeit, ein riesiges Dankeschön loszuwerden. Danke an Franz
Betz, Ulrike Enders, Dagmar Schmidt, Thalia, Dassy und die vielen 
Schwarmkünstler. 
Danke an alle, die mit ihrem Enthusiasmus, ihrem Interesse, ihren 
finanziellen und persönlichen Möglichkeiten und ihrer Zeit Strich-Code
so groß haben werden lassen! Wir sind glücklich, dass aus diesem 
kleinen Ideen-Samenkorn, das diese gewagte und mutige Idee beinhaltete 
und mit einem durchdachten Konzept keimte, letztlich  eine so große
interessante Rank-Pflanze wachsen konnte. Es war unglaublich
interessant zu beobachten, in welche Richtungen die Ranken sich 
bewegten, welche Diskussionen angestoßen wurden und wer von dieser
Strich-Code-Pflanze am Ende fasziniert und beeindruckt war. 

Wir sind stolz, sagen zu können, dass die Umsetzung des Konzepts
Strich-Code gelungen ist. Der Räumetausch Museum/Tabledancebar, also
Künstler/Sexarbeiterinnen, entwickelte sich wie im Konzept erwogen und 
entworfen.
Die Künstler, die kunstschaffend im Hands Off arbeiteten, wurden auch
mit der harten Wirklichkeit des Sexgeschäfts konfrontiert und bekamen
tatsächlich auch Anfragen der "besonderen Art". Die Sexarbeiterinnen 
im Museum hingegen wurden im wahrsten Sinne des Wortes auf einen 
Sockel gestellt und erfuhren eine so nicht gewohnte Wertschätzung. 

Die Schwarmkunst verband durch die Etikettennabelschnur beide Räume,
brachte die Menschen zum Nach- und Hinterfragen und lockte sowohl ins
Museum als auch in die Tabledancebar. 

„Arbeite, und du kannst der Belohnung nicht entgehen. Ob die
Arbeit fein ist oder derb, ob du Korn pflanzt oder Romane schreibst,
wenn es nur ehrliche Arbeit ist, die die eigene Billigung findet, wird
sie sowohl die Gefühle belohnen wie den Verstand. Ganz gleich, wie oft
du besiegt wirst, du bist zum Sieg geboren. Die Belohnung für eine gut
gemachte Arbeit ist, sie gemacht zu haben." 

Ralph Waldo Emerson (1803-82), amerik. Philosoph
u. Dichter 

Diesem schönen Zitat von Emerson möchten wir noch hinzufügen, dass wir
uns wünschen, dass Strich-Code dazu beitragen konnte, dass die
Belohnung für die Arbeit von Künstlern und Sexarbeiterinnen jetzt auch
noch darin besteht, von der Gesellschaft mehr Anerkennung in Form von
Wertschätzung jeglicher Art zu erhalten. 

Wenn Strich-Code in den Köpfen der Menschen etwas bewegen konnte, wenn 
Kunst und Sexarbeit jetzt anders wahrgenommen werden, dann haben wir
etwas erreicht. 

Atelier Dreieick, Oktober 2012

Ganz am Ende möchten wir uns nochmal persönlich bei Kerstin bedanken.
Ohne ihre Energie, ihr Durchhaltevermögen, ihre Fähigkeit,
Menschen zu motivieren, ihr diplomatisches Geschick, ihren Mut und
nicht zuletzt ihre immer wieder tollen Ideen in Krisenmomenten wäre
Strich-Code nicht möglich gewesen.
Wir freuen uns schon auf die kommenden Projekte mit Dir, Kerstin!

Susanne Lindau und Petra Lindrum

Abbautermin

Nun neigt sich die Zeit von Strich-Code doch wirklich schon dem Ende zu. Unglaublich, wie schnell die Tage und Wochen verflogen sind!
Leider müssen damit auch wieder die fröhlich-bunten Strich-Code-Farben aus dem Stadtbild verschwinden. Dafür werden wieder viele helfende Hände gebraucht.
Dieser Aufruf geht an alle Schwarmkünstler. Helft mit, die Altstadt, das Museum und das Hands Off wieder von den Preisetiketten zu befreien!
Und bringt genug Papiertaschentücher mit, damit Ihr die Passanten, die sich vor Kummer über die Entfernung der Etiketten nicht mehr halten können, trösten könnt! Oder Euch selbst….

Wir hoffen sehr, dass der Schwarm auch für diese Aktion noch einmal mobilisiert werden kann!

An folgenden Terminen wird abgebaut (8.-13.10.2012):

Montag: 8-12 Uhr, Ballhof, Baum und Säulen
Dienstag: 8-12 Uhr und 17-19 Uhr, Abbau Historisches Museum, Säulen, Laternen (oben)  und Banner

Mittwoch: 8-12 Uhr, Kreuzkirche
Donnerstag: 8-12 Uhr, Hands Off

Freitag: 15-19 Uhr, Hands Off und Schaufenster

Samstag: 10 Uhr, Straßenbahn

… nur noch 7 Tage!

Nur noch 7 Tage ist die Ausstellung im Hands Off und im Historischen Museum geöffnet.
Hier nochmals die letzten Termine:

Kunstführungen:
Ulrike Enders / Susanne Lindau / Dagmar Schmidt
9.9. – 7.10.2012
Dienstag, 2.10.: 18 Uhr
Samstag, 6.10.: 15 Uhr
Treffpunkt: Foyer im Historisches Museum

Gespräche mit den Sexarbeiterinnen und Künstlern:
Thalia / Dassy im Historischen Museum
Franz Betz / Kerstin Schulz in der Hands Off Table Dance Bar
Sonntag, 30.10: 10 – 12 Uhr, 16 -18 Uhr
Dienstag, 2.10: 15 -19 Uhr
Mittwoch – Freitag, 15 -17 Uhr
Samstag 6.10: 10 – 12 Uhr, 15 -18 Uhr
Sonntag, 7.10: 10 – 12 Uhr, 16 -18 Uhr

„Frauenzimmer“

Etwa 80 bis 100 Zuschauer sahen sich am 18.09.12 im Historischen Museum Hannover den preisgekrönten Dokumentarfilm „Frauenzimmer“ der jungen deutschen Regisseurin Saara Aila Waasner an.
Der Film erzählt höchst eindrucksvoll von drei Frauen über 50, die erst im Alter zur Prostitution gekommen sind. Respektvoll und einfühlsam werden die Frauen und ihr Lebensweg beleuchtet. Sexarbeit wirkt in dem Rahmen, wie diese Frauen sie ausüben, selbstbestimmt und freiwillig. Die Meinung eines Zuschauers dazu war: „Wer kann das für sich und seinen Job schon so sagen?!“
Die anschließende Diskussion brachte Bewunderung für den Film und für den Mut der Frauen, die sich dafür vor der Kamera gezeigt haben, zum Ausdruck. Die Anwesenheit von Karolina Leppert, eine der Frauen im Film, unterstrich die Authentizität noch. Sie wirkte wie eine „Grand Dame“ der Zunft, gleichzeitig aber auch sehr zerbrechlich und mit so sanfter Stimme, dass man sich ihre Domina-Rolle gar nicht recht vorstellen konnte.
Letztlich war es ein wirklich eindrucksvoller Filmabend mit einer anschließenden sehr lebhaften Diskussion. Das engagierte Publikum stellte Karolina Leppert viele interessante Fragen, die von ihr souverän beantwortet wurden.

P. Lindrum

Heute: Dokumentarfilm „Frauenzimmer“ im Historischen Museum

Nicht verpassen!
Filmabend und Gespräch mit Karolina Leppert (ehem. Domina)

Phoenix e.V – Beratungsstelle für Prostituierte zeigt den Dokumentarfilm „Frauenzimmer“, u. a. mit Karolina Leppert

18.09.2012, Historisches Museum Hannover

19 Uhr

Eintritt frei