„Was machen Sie denn da?“

„Was machen Sie denn da?“ Das war die Frage der Polizisten, die am Dienstag vorbeikamen, als die Schwarmkünstler gerade wieder bei der Arbeit waren. Auf unsere Erklärungen hin telefonierten die Polizisten mit ihrer Dienststelle, konnten von dort aber keine weiteren Informationen über Strich-Code erhalten. Bald hatten wir die netten Ordnungshüter aber überzeugt, dass wir keineswegs Vandalen waren, sondern nur die wahre Kunst im Auge hatten. Wahrscheinlich hätten sie sogar gerne mitgeklebt, aber so etwas ist bestimmt während der Dienstzeit nicht gestattet! „Von jetzt an aber bitte immer die vollständige Genehmigung dabei haben!“ Klar, wird gemacht!
Rege diskutiert wurde auch am Freitag, als die Schwarmkünstler-Gruppe Besuch hatte von einer Mitarbeiterin der DPA (Deutsche Presse-Agentur). Sie war äußerst interessiert, machte sich eifrig Notizen, fotografierte und klebte sogar mit. Wie es der Zufall will, kam just an diesem Nachmittag ein Herr vorbei, der mit unserer Aktion absolut nichts anfangen konnte und uns in einem fort fragte, was das denn werden solle, was wir uns davon versprechen würden, dass er das alles gar nicht vestehen würde und davon auch gar nichts hielte. Dieser Herr kam nicht nur einmal vorbei, nein, er kam bestimmt fünf Mal vorbei, um mit uns zu diskutieren. Da würde doch bestimmt niemand mitmachen wollen, war einer seiner Kommentare. Und siehe da, genau in diesem Moment kam eine Passantin vorbei, die ganz angetan war von den Schwarmkünstlern und den beklebten Säulen und Bäumen und spontan ihre Hilfe anbot! Damit war die Meinungsänderung unseres nun sichtbar irritierten Kritikers eingeläutet. Nach einer interessanten philosophischen Diskussion der ganzen Gruppe über die Wertschätzung von Sexarbeiterinnen und dem Sinn ihrer Arbeit für die Gesellschaft kam der kritische Herr, der sich inzwischen auch die beklebten Säulen am Museum angesehen hatte, ein letztes Mal vorbei und verabschiedete sich mit den Worten: „Ist doch o.k. Ist sogar richtig gut!“ Finden wir ja auch!
Was wir gar nicht gut finden, ist, dass die Zerstörungswut von uns unbekannten Gruppen anhält. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, ist wieder ein Teil der bereits beklebten Objekte erneut zerstört worden, was mindestens zwei der Schwarmkünstler wieder mindestens zwei Stunden Zeit kostet, um den Schaden zur reparieren. Damit müssen wir wohl leben, ob wir wollen oder nicht! Zum Glück kommen durchschnittlich immer etwa 20 Schwarmkünstler zu den Treffen, so dass wir trotzdem gut vorankommen. Am Samstag haben sogar noch viele Passanten mitgeklebt, einfach so, just for fun! Vielen Dank dafür! Auch für die interessanten Gespräche, die dabei entstanden.

Zum Schluss noch eine Entschuldigung unsererseits an das Publikum des Jazz-Frühschoppens am Samstag auf dem Ballhofplatz. Zur selben Zeit, als die Musik erklang, waren wir mit Etikettenkleben beschäftigt und haben mit unseren lauten Etikettiermaschinen nicht wenige Zuhörer verärgert. Verzeihung! Da haben wir nicht richtig mitgedacht! Soll nicht wieder vorkommen!

Petra Lindrum

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Ein Gedanke zu „„Was machen Sie denn da?“

  1. Sehr schöner Artikel! Wir haben auf unserer Seite auch einen über euch verfasst. Endlich bringt ihr mal ein wenig Farbe in die Straßen von Hannover

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